Toucan Rescue Ranch – Costa Rica

Am morgen des 07.11. ging es von La Fortuna aus, früh los in Richtung San José. Dort in der Nähe befindet sich die TRR (Toucan Rescue Ranch). Die Menschen dort kümmern sich nicht nur um Tukane, sondern um verletzte oder verwaiste Tiere aller Art. Es gibt dort Faultiere, Affen, einen Flussotter und andere Säugetiere. Außerdem viele verschiedene Vogelarten, vom Tukan über Falken und Eulen, bis hin zu Papageien.

Es gibt dort zwei Varianten: Einen ca. zwei stündigen Rundgang bei dem man die Geschichten der dort dauerhaft lebenden Tiere erfährt und eine Variante, bei der man vorher noch zwei Faultiere im „Teenageralter“ beim Frühstück sehen kann und von ihrem Pfleger einen Vortrag zu Faultieren generell bekommt. Außerdem bekommt man dann Kaffee und Säfte sowie Gebäck. Wir wollten eigentlich die günstigere Variante nehmen, die war aber leider schon ausgebucht. Im Nachhinein sind wir froh, denn sonst hätten wir viele Informationen nicht bekommen. Mit den Geschichten und Dingen die wir erfahren haben, geht es nach einem kleinen Abschweifer weiter. 🙂

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Nun nochmal zur Fahrt. 😀

Kris und Julia haben uns montags mit nach Liberia genommen, wir hatten uns dort ein Auto gemietet. Da wir das bisher noch nie gemacht haben, war das ein ganz schönes Theater. Wir wussten nicht, dass man keine Debitkarten verwenden kann und auch nicht, dass die Anbieter eine Kaution auf der Kreditkarte blocken. Mir ist auch immer noch nicht klar, warum das gemacht wird. Zumindest nicht, wenn man Vollkasko ohne Selbstbeteiligung bucht. Aber nun ja. Bei der Aktion haben wir wieder einiges gelernt. 😀

Die Fahrt von La Fortuna zur Toucan Rescue Ranch sollte ca. 2.5 Stunden dauern. Unsere Tour sollte um 13:30 Uhr beginnen, also wollten wir um 10 Uhr losfahren, damit wir eine Stunde Puffer haben. Man weiß ja nie …

Mucki hat dann wieder mal getrödelt und so sind wir um ca. 10:15 losgefahren. Der Anfang lief gut, es war nicht viel los und wir sind gut vorangekommen. Das sollte sich aber leider noch ändern. Zuerst hat uns eine Baustelle aufgehalten, das hat ein paar Minuten gedauert und hat uns noch nicht erschüttert. Dann allerdings, ging es plötzlich nur noch steil den Berg hoch. Die TRR liegt auf ca. 1500 Metern Höhe, La Fortuna auf ca. 270 m.

Es hat angefangen hart zu regnen und es waren immer mehr LKWs auf der Straße, die bei der Steigung teilweise nur noch 5 km/h gefahren sind. Wir wurden unruhig und natürlich trat dann auch der Worst Case ein. Plötzlich ging nichts mehr. Während es zweispurig den Berg runter ging (was zur Hölle soll das?), ging auf unserer Spur plötzlich nichts mehr. Unser Puffer schmolz dahin, alle paar Minuten konnten wir ein paar Meter fahren, aber es war dann doch absehbar, dass wir es nicht pünktlich schaffen würden. Da man dort keinerlei Netz hat, konnten wir auch nicht anrufen und Bescheid sagen. Die Laune war entsprechend relativ weit unten angekommen. 🙁

Irgendwann ging es dann endlich weiter. Ein kaputter LKW hatte den Stau verursacht. Nachdem wir daran vorbei waren, wurde es dann zur Krönung auch noch nebelig das man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte und auch der Regen hat nicht wirklich aufgehört. Schlussendlich sind wir mit ungefähr dreißig Minuten Verspätung angekommen. Die Leute dort sind sehr sehr nett und haben für uns den Vortrag verlängert und einiges wiederholt, sodass wir auch noch etwas davon hatten. Vielen Dank dafür!

Jetzt geht’s endlich weiter mit denn Tieren der Toucan Rescue Ranch. 🙂

Die Faultiere

Fangen wir mal mit den Faultieren an, denn über diese haben wir hier am meisten erfahren. Es gibt zwei verschiedene Arten, und zwar das Zwei- und Dreifinger Faultier. Im Englisch ist der Name nicht sonderlich sinnvoll gewählt, denn dort werden sie als Zwei- und Dreizehen Faultiere bezeichnet, obwohl beide Arten drei Zehen haben. Nur die Zahl der Finger, die eigentlich lange Klauen sind, unterscheiden sich.

Natürlich gibt es noch weitere Unterschiede, aber damit das Ganze nicht zu lang wird, zählen wir nur einige auf. Es wird demnächst noch einen Beitrag mit Faultieren geben, denn wir haben in La Fortuna eine Wanderung gemacht, bei der wir ebenfalls welche gesehen haben. 🙂

Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in der Ernährung. Während das ZFF (Zweifinger Faultier) sich von Blättern und Früchten, Insekten, Vogeleiern und -küken, sowie Eidechsen ernährt, nimmt das DFF (Dreifinger Faultier) wirklich nur pflanzliche Kost zu sich. ZFF haben deshalb auch 4 spitze Zähne, die den DFF fehlen.

Was für uns wirklich überraschend war, ist das alle Faultiere recht aggressiv sind. Vor allem gegenüber Menschen. Die verletzten Faultiere, die behandelt und versorgt werden müssen, werden meistens mit bis zu fünf Personen gebändigt. Beide Arten haben sehr aggressive Bakterien in Maul und Verdauungsapparat. Ein Biss kann daher schwerwiegende Infektionen nach sich ziehen. Die Gründerin der Tucan Rescue Ranch hat nach einem Biss selbst fast einen Arm verloren. Wenn man ein Faultier auf der Straße sieht, sollte man nicht versuchen es zu tragen. Man hält den Verkehr auf und wartet, bis es die Straße überquert hat. Ihre langen Klauen können ebenfalls schlimme Verletzungen zufügen!

Viele Faultiere die hier her kommen, sind entweder angefahren worden, haben Bekanntschaft mit Hunden gemacht (diese Kämpfe enden auch für Hunde oft mit schweren Verletzungen), oder haben einen Schlag an einer der vielen unisolierten Stromleitungen und Kondensatoren erlitten. Die Stromleitungen sind leider auch für andere Tiere ein Problem, zum Beispiel für Affen. Nur ein verschwindend geringer Teil der Leitungen und Kondensatoren sind isoliert. Dort besteht dringender Handlungsbedarf!

Tukane und andere Tiere der Toucan Rescue Ranch

Wie bereits in den Bildern oben zu sehen, gibt es noch viele weitere Tiere. Zum Beispiel die namensgebenden Tukane. Wir mussten ehrlich gesagt erst mal schlucken als die Tour begann. Denn die Tiere sind in mehr oder weniger großen Käfigen, wir fühlen uns an einen Zoo erinnert. Und so was möchten wir eigentlich nicht unterstützen. Nachdem wir dann aber mehr erfahren haben, hat das Ganze sich wieder relativiert. Alle Tiere, die man während der Tour sehen kann, außer den Faultieren, können leider nicht mehr ausgewildert werden. Entweder sind sie bereits zu sehr an Menschen gewöhnt und würden vermutlich sofort wieder in eine Siedlung laufen, oder sie sind verletzt oder verstümmelt und können einfach nicht mehr für sich sorgen. 🙁

Der braune Vogel mit dem spitzen Schnabel hasst Menschen. Er wurde als Haustier gehalten. Man hat versucht ihn frei zu lassen, aber er möchte nicht. Er weiß, dass er Wasser und Futter bekommt. Der Otter wurde von seiner Mama getrennt, da Kinder die beiden mit Steinen beworfen haben. Sie musste mit der Flasche aufgezogen und werden und hat sich leider zu sehr an Menschen gewöhnt. Es gibt Affen, denen wurden teilweise Finger oder der Schwanz abgeschnitten, völlig grundlos. Große Raubvögel, die angeschossen wurden, da Wilderer dafür anscheinend hohe Beträge bekommen können. Die großen Eulen werden oft von Autos erfasst, oder verfangen sich in Stacheldraht, da sie sich beim Jagen nur auf ihre Beute konzentrieren. Dadurch das die meisten nicht mehr fliegen können, oder es nicht gewohnt sind zu fliegen, relativiert sich die Größe der Gehege wieder.

Es gibt einen kleinen Wickelbär, der seit seiner Geburt mit einer Kette um den Hals in einer rostigen, alten Waschmaschine leben musste. Eine weitere traurige Geschichte ist die eines Tayra (eine Art Marder), welcher in einem Hotel gehalten wurde. Bis Nachbarn die Polizei gerufen haben und es gerettet wurde. Leider ist aber auch hier die Gewöhnung an Menschen schon zu groß. Das Grison (auch eine Art Marder) musste auch von Hand aufgezogen werden, weil ihre Mama getötet wurde, als sie in einem Hühnerstall gejagt hat.

Die Erfolgsquote dort ist aber wirklich gut. Ungefähr 80 % der Tiere können zurück in die Wildnis, bei den Faultieren sogar fast 100 %. Bisher hat es erst bei einem nicht geklappt, weil er Angst vor Regen hat. Und nicht wieder nach draußen wollte. Wenn es regnet, verkriecht er sich in seiner Hängematte, die hinter einer Plane hängt. 😀

Es gibt noch weitere Tiere, zum Beispiel ein Ozelot, aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Die Tiere, die für die Auswilderung in Frage kommen, kann man bei der Tour nicht sehen. Damit sie sich nicht an Menschen gewöhnen und nicht in Stress geraten. Sehr gut, auch wenn man dadurch zum Beispiel leider keinen roten Ara sehen konnte!

Fazit

Trotz der vielen traurigen Geschichten ist es schön zu sehen, dass die Tiere hier ein schönes Leben haben und die meisten es auch wieder zurück in die Wildnis schaffen.

Die Leute opfern sehr viel Zeit und kümmern sich sehr gut um die Tiere. Viele davon sind freiwillige. Sie versorgen sie mit Spielzeugen um Abwechslung zu schaffen und sorgen für eine artgerechte Ernährung. Es werden sehr viele männliche Küken verfüttert, die von angrenzenden Familien kommen.

Auch wenn wir am Anfang irritiert waren, die Arbeit hier ist wichtig und richtig. Da das Ganze Privat finanziert wird, lebt die Einrichtung vom Eintritt, Spenden und Einnahmen aus Merchandise Verkäufen.

Hier geht’s zum Instagram Profil der Toucan Rescue Ranch.

Zum Schluss noch ein Video der Faultierbabies. In der Schüssel befinden sich zwei, dass eine hat allerdings beschlossen, sich auf das andere zu legen. 😀

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Hier seht ihr zwei Babyfaultiere, die beiden sind leider Waisen. Aber sobald sie groß genug sind, werden sie trotzdem ausgewildert. Faultiere gehen keine engen Bindungen zu Menschen ein, nahezu 100% der Faultiere konnten bisher wieder in die Freiheit entlassen werden. Sogar jene, welchen ein Arm oder ein Bein amputiert werden musste.