Meeresschildkröten in Panama – Stiftung Agua y Tierra in Morillo

Wie wir darauf aufmerksam wurden 🙂

Nachdem wir bei Facebook ein Album mit Bildern aus Torio angelegt haben, hat sich jemand gemeldet, der mal Gast in Patricia und Bob’s Airbnb Wohnung war. Er hat uns erzählt, dass er am nächsten Morgen zum Strand fährt um Schildkröten zu sehen und uns angeboten, uns mitzunehmen. Leider haben wir das zu spät gelesen, aber er hat uns ein Foto vom Schild der Stiftung geschickt, die sich um Meeresschildkröten kümmert. Damit habe ich sie bei Google Maps gefunden und Jacinto (den Verantwortlichen) bei WhatsApp angeschrieben. Die geschlüpften Schildkröten werden morgens um 7 und abends um 18 Uhr auf die Reise geschickt.

So sind wir dann Freitag morgen um 6:30 Uhr Richtung Morillo gefahren, was ca. 15 Minuten entfernt liegt.

P1070026 300x200 - Meeresschildkröten in Panama - Stiftung Agua y Tierra
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Allgemeines zu Meeresschildkröten

  • Meeresschildkröten leben in tropischen und subtropischen Gewässern und kommen nur zur Eiablage an Land. Sie müssen allerdings zum Atmen immer wieder an die Oberfläche.

  • Die Weibchen legen die Eier an jenem Strand ab, an dem sie selbst geboren wurden. Sie kommen an Land und graben Löcher, um ihre Eier hineinzulegen. Die Leute der Stiftung sammeln die Eier dann ein und bringen sie vor Wilderern, Hunden und anderen Tieren in Sicherheit.

  • Die, die wir begleitet haben, werden in ca. 20 Jahren wieder kommen. Zumindest diejenigen, die alt genug werden. Viele werden es nicht schaffen. Sie werden von Raubfischen auf dem Weg ins Meer hinaus gefressen. Einige werden zwar groß, aber landen als Beifang in Fischernetzen oder werden gezielt für Fleisch und Panzer gejagt. Obwohl das seit 1988 verboten ist. Die größte Bedrohung für alle Arten ist der Mensch. Es gibt nur wenige Raubfische, die einer ausgewachsenen Meeresschildkröte gefährlich werden, zum Beispiel große Haie. Aber der Anstieg der Temperaturen, gezielte Jagd und Müll in den Ozeanen, dezimieren die Bestände immer weiter. 🙁

  • Die Temperatur entscheidet über das Geschlecht der Jungtiere, die im Sand durch die Sonne ausgebrütet werden. Daher bedroht der Klimawandel die Bestände zunehmend. Ab einer Temperatur von ca. 30 Grad entstehen Weibchen, darunter Männchen. Durch den Temperaturanstieg entstehen also mittlerweile im Verhältnis zu viele Weibchen.

  • Alle Arten sind stark, bis sehr stark gefährdet.

  • Besonders betroffen sind Lederschildkröten und die Grüne Meeresschildkröte.

  • An diesen Strandabschnitt kommen vier verschiedene Arten zur Eiablage:

    • Am häufigsten ist die Oliv-Bastardschildkröte, die Fotos in diesem Beitrag zeigen frisch geschlüpfte Schildkröten dieser Art. (gefährdet)
    • Die Grüne Meeresschildkröte, auch Suppenschildkröte genannt, da sie als Delikatesse gilt… 🙁 (stark gefährdet)
    • Die Echte Karettschildkröte, ebenfalls für ihr Fleisch und Eier, besonders wegen des Panzers gejagt. (vom Aussterben bedroht)
    • Die Lederschildkröte ist hier sehr, sehr selten, nur wenige Exemplare legen hier ihre ab. Bedroht durch Fischerei, Jagd und Müll im Meer. (vom Aussterben bedroht)
  • Weitere Arten sind die Unechte Karettschildkröte und die Wallriffschildkröte, diese kommen aber an diesem Strand hier nicht vor. Beide kämpfen aber mit den gleichen Problemen wie die anderen Arten.

Die Stiftung

Bei Agua Tierra arbeiten drei Menschen, die ihr Leben den Schildkröten gewidmet haben. Sie leben direkt am Strand und verbringen ihre Tage und Nächte dort zum Schutz der Schildkröten. Sie patrouillieren nachts am Strand, damit die Schildkröten ungestört ihre Eier ablegen können. Danach sammeln sie diese ein und bringen sie in einen eingezäunten Bereich direkt am Haus. Dort sind sie sicher vor Wilderern, Hunden, Vögeln und anderen Tieren.

Sie mussten viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten. Die Einheimischen haben die Eier ausgegraben um sie zu essen und teilweise auch Schildkröten gejagt. Mittlerweile passiert das nicht mehr, die Bildung wird besser und man hat gemerkt, dass man von Touristen besser leben kann, als von den Eiern. Und ohne die Schildkröten kämen weniger Touristen. Generell ist vieles im Wandel. Viele Leute verbrennen ihren Müll einfach im Garten. Aber den Kindern wird in der Schule beigebracht, dass das schlecht für die Umwelt und das Klima ist.

Die Stiftung existiert seit 8 Jahren und bekommt keine staatliche Unterstützung. Das Ganze wird mit Spenden finanziert, wobei wir echt nicht wissen, wie sie das schaffen. Es gibt kaum Werbung und ohne den Hinweis, hätten wir nicht gewusst, dass sie existiert. Obwohl es nur wenige Kilometer entfernt ist.

Oliv-Bastardschildkröten

Die Oliv-Bastardschildkröten gehören zu den kleinsten Meeresschildkröten. Mit einer Länge von ca. 70 cm erreichen sie ein Gewicht von bis zu 50 kg. Im Vergleich dazu: Die Lederschildkröte kann eine Länge von bis zu 2,5 m und ein Gewicht an die 700 kg erreichen! Sie leben hauptsächlich im Pazifik und im Indischen Ozean. Sobald sie ausgewachsen sind, bevorzugt in flacheren Gewässern in Küstennähe.

Sie ernähren sich dort von Krebsen, Krabben, Quallen (das wird Ihnen und den anderen Meeresschildkröten leider oft zum Verhängnis, da sie mit Plastiktüten verwechselt werden), Seeigeln und weiteren Meerestieren.

Nach ca. 10-20 Jahren kommen sie das erste Mal zu ihrem Geburtsort zurück, um dort selbst um die 100 Eier abzulegen. Danach wiederholen sie das jedes Jahr aufs Neue. Diese werden im Sand von der Sonne ausgebrütet, und nach 45-60 Tagen schlüpfen kleine Schildkröten, wie auf den Bildern und in den Videos zu sehen. 🙂

Leider werden es nur sehr wenige schaffen, die meisten werden nicht so alt werden. Vermutlich nur ca. 1  %, eventuell ist die Quote auch besser, je nach Ablageort.

Vergangenheit

Panama war in den 70-80 er Jahren hinter Kuba, der zweitgrößte Exporteur für Schildkröten und deren Panzer, die fast ausschließlich nach Japan gingen. Dort glaubt man, dass das Fleisch die Potenz steigert und Talismane aus Schildkröten Glück bringen. 🙁

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei, aber damals wurden Hunderttausende Schildkröten gefangen und getötet. Es wird lange dauern, bis sich die Bestände wieder erholen, falls das in Zeiten von Müllbergen im Meer und globaler Erwärmung überhaupt je passieren wird.

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Abschließende Worte

Es war ein sehr schönes, fast erhabenes Erlebnis, diese kleinen Schildkröten ins Meer watscheln zu sehen. Wir durften sie vorher aus der Brutstelle nehmen, zählen (es waren 37) und dann mit ihnen zum Wasser gehen. Wir haben uns sehr geärgert, dass wir es in Costa Rica nicht mehr geschafft haben. Umso glücklicher sind wir, dass es hier nun doch noch geklappt hat mit den Schildkröten. 🙂 Zum Glück gibt es Menschen, die sich für ihren Fortbestand einsetzen!

Ein Video vom Strand, es gibt dort heftige Wellen. Anscheinend war das da sogar noch relativ „ruhig“.

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